In den zurückliegenden Tagen trafen sich in Wuppertal (mächtig weiter Weg bis dahin !) eine große Zahl der Jugendkirchen und Jugendkirchprojekte aus dem deutschsprachigen Raum zu einem Symposium. Thematisiert wurde die Frage, wie viel Institution eine Jugendkirche verträgt. Schließlich haben einige der Initiativen ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel...
Eine Reihe von Impulsvorträgen und Workshops vermittelte Eindrücke über die Entwicklung der einzelnen Projekte. Geniale Projekte stellten sich vor und es war schon schön, sich vorzustellen, eines Tages auch mal auf so eine bunte Geschichte blicken zu können. Natürlich traf ich auch Neulinge in der Szene, die erst seit kurzer Zeit mit ihrer Jugendkirche am Start sind. Da genug Zeit für den Austausch war, konnte ich eine Menge Anregungen mit nach Hause nehmen. Vor allem beeindruckte mich die Vielfalt von Formaten, Erscheinungsformen, Ideen und Veranstaltungen, die Jugendkirche ausmachen. Mir wurde deutlich, dass wir an vielen Stellen uns noch gar nicht getrauen, einmal Kirche auf den Kopf zu stellen und wieder neu zu denken. Und spannend wird es, wenn wir selbst an unsere Toleranzgrenzen stoßen. Wie weit können wir wirklich offen sein ? Sicher ist, dass die meisten Jugendlichen ein Bedürfnis nach Spiritualität und Religion in sich tragen. Sie lassen sich auch meist auf Kirche ein. Aber sie erleben diese eben meist als spießerisch oder bürgerlich (wie ihre Eltern), erstarrt (wie die Erwachsenenwelt zumeist) und kalt (und das vor allem auch im übertragenen Sinn). Jugendliche finden schwer Stellen, an denen sie mit ihrer Kultur an unsere Kirche andocken können. Die Jugendkirchen, die ich erlebte, versuchen in großer Vielfalt solche Andockmöglichkeiten zu finden. Eine Erfahrung dabei ist, dass Jugendliche plötzlich auch Spaß an Kirche finden, wenn es da gemütlich oder laut oder schräg oder kultig oder... zugeht.
Nun wieder zu Hause bin ich voller Optimismus und Ideen für unser gemeinsames Projekt. Ich weiß, dass es noch viele Stolpersteine geben wird - innerhalb und außerhalb unserer Kirchgemeinde. Aber Jugendkirche ist ja nicht an ein bestimmtes Gebäude gebunden. Jugendkirche ist ja vor allem ein Prozess. So möchte ich auch demnächst mit der Vorbereitung von ersten Veranstaltungen beginnen, die genau das mal versuchen und so die Kreativität anstacheln: Kirche auf den Kopf stellen und neu denken. Damit können wir jetzt schon anfangen. Damit wird auch das Bild deutlicher, wo wir eigentlich hin wollen mit unserer Jugendkirche.
Empfehlen möchte ich noch die thematisch intensiveren und umfangreicheren Berichte vom Symposium in Wuppertal:
www.jukis.org
Hier auch weiterhin der
Download der aktualisierten 2. Fassung der
Konzeption "Jugendkirche Zittau" und ergänzend die
Kurzform für alle, die nicht so viel lesen wollen (das sogenannte Handout einer Präsentation).
Freuen würde ich mich um
Rückmeldungen, denn ich bin mir sicher, mein Text wirft auch Fragen auf oder provoziert Widerstand. Gern komme ich ins Gespräch. Denn nichts ist schlimmer als die "Hintenrumgespräche". Ich wünsche mir Anregungen, zielführende Diskussionen, offene Kritik und natürlich gaaanz viele Ideen.